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Schau an, Pagan Metal aus meiner Umgebung. Das ist zwar nicht unbedingt mein Lieblingsgenre, aber ich lasse mich
einfach mal überraschen. Der Kopf hinter Helfahrt ist Max Marquardt, der dem einen oder anderen bereits als Bassist
der Düdeltruppe Sycronomica bekannt sein dürfte. Hier tobt er sich nun als Sänger, Flötist und Maultrommelspieler
aus, schließlich kann man sich am viel zu oft unterschätzten Bass in den wenigsten Bands richtig entfalten.
Helfahrt haben sich, wie das in diesem Subgenre üblich ist, für eine recht melodische Herangehensweise entschieden,
verzichten dabei aber erfreulicherweise auf schnulzige Keyboardnervereien. Stattdessen bringen die fünf tapferen
Mannen einen ganzen Sack voll wirklich netter Riffs mit und erweitern ihre Musik durch traditionelle Instrumente
wie die bereits eingangs erwähnte Maultrommel, diverse Flöten und auch die immer wieder gern gehörte Akustikgitarre
- prinzipiell ist das also alles recht manierlich. Nicht wirklich anfreunden kann ich mich allerdings mit dem
mitteltiefen Gesang, der zwar an sich ganz ordentlich klingt, für meinen Geschmack aber einfach zu harmlos und
gleichförmig ist.
Harmlos, mit diesem einen Wort lässt sich das gesamte Album recht gut beschreiben, denn insgesamt ist das trotz
vorhandener Begabung aller Beteiligten und einiger gelungener Melodien einfach relativ belanglose, leicht
verdauliche Musik ohne Ecken und Kanten. Das liegt vermutlich zu einem guten Teil an der Produktion der Scheibe,
die durchaus professionell, leider aber auch sehr glatt geraten ist. Besonders schwer hat es das Schlagzeug
getroffen, das ich aufgrund seines sterilen Klanges zunächst tatsächlich für einen (gut programmierten)
Drumcomputer hielt. Auch die nicht mehr ganz frische Idee, Folk-Elemente in ansonsten von Stromgitarren dominierte
Musik einzubauen, hätte besser umgesetzt werden können. Zu deutlich ist die Trennlinie zwischen den beiden
Stilrichtungen erkennbar, selten traut sich einmal eines der "fremden" Instrumente direkt in das metallische
Geschehen. Wirklich hörenswert und atmosphärisch sind allerdings die beiden rein akustischen Stücke "Zu spätem
Schein" und "Der letzte Weg", da gibt es nichts zu bemängeln. Den Rest kann man sich freilich auch anhören, muss
man aber nicht.
Um es mal in Pagan Metal kompatiblen Worten auszudrücken: Ist Helfahrt ein germanischer Krieger und "Sturmgewalt"
sein Schwert, dann ist dieses Schwert zwar hübsch verziert und ganz nett anzusehen, leider aber recht stumpf und
deshalb nur bedingt kampftauglich. Eine echte Sturmgewalt ist diese CD also nicht, immerhin aber ein mittelstarker
Wind. |
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