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Gäbe es eine jährliche Preisverleihung für die abgedrehtesten Werke des Black Metals, Deathspell Omega hätten ihn
dieses Jahr gewonnen. Wo andere stets zusammenklauen und als eigenes Süppchen verkaufen wollen, loten die
abgespaceten Franzosen von Deathspell Omega immer wieder neue Grenzen aus, bauen immer krankere, originellere Ideen
in ihre Songs ein und lassen sich zu keiner Zeit anmerken, dass das alles entweder von anderswo kommt oder ihnen
was Großartiges abverlangt. Fasziniernder jedoch, dass nach dem monumentalen "Si Monvmentum Reqvires, Circvmspice..."
eine noch markerschütterndere Kreation von sich reden lässt - nicht einmal ein Jahr später und von der selben
Formation.
Es ist einfach der pure Wahnsinn, welche musikalischen Dimensionen "Kénôse" darstellt. Atmosphärisch, höchste
Ansprüche noch weiter nach oben schraubend, unruhig, ja fast schon jenseits aller dagewesenen Künste sind diese
drei Stücke. Da treffen im ersten Akt unheilvolle Akustik-Teile auf noch derbere Samples, diese werden jäh vom
anschließenden Inferno unterbrochen, welches so dermaßen ekstatisch dargeboten wird, dass man sich in eine paranoide
Zwischenwelt gepresst fühlt. Noch nie habe ich derartig geisteskranke, genial inszenierte Läufe vernommen, die
einen so dermaßen vom Tagewerk abhalten wollen... eigentlich bedenklich. Doch mit dem Ende des ersten Kapitels hört
der etwas andere Spaß keineswegs auf: Zwar kriecht die schwarzmetallische Todeswalze zuerst voran, schlägt seinen
Vorgänger jedoch in Sachen Komplexität und wirft den Hörer vor zahlreichen unerwarteten Breaks voller Irrwitz ins
tiefschwarze Loch der mentalen Verdammung. Dagegen wirkt der dritte Teil wie eine einschläfernde, nordisch
angehauchte Fahrt in das Ungewisse. Sobald die horrormäßigen Einspielungen verstummen, halten schleichend-tödliche
Riffs Einzug, um endgültig den Thron des Avantgardismus einzunehmen. Einzig negativ auffallend ist der Schlagzeuger,
den der ganze Wirbel nicht sonderlich zu interessieren scheint und der fast seelenruhig seine Patterns eintrümmert;
wahnsinnigste Becken-Malträtierung mitsamt exorbitanten Cymbal-Gewittern oder Snare-Terror bleiben leider aus. Klar,
manchmal gibt er Gas, setzt dem Set kurzzeitig zu - um aber dem Gesamtbild wirklich gerecht zu werden, wären
extreme Freestyle-Einlagen das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i gewesen. Wünschen kann man sich viel, wahr werden
die wenigsten Träume.
Somit schwirrt DsO's aktueller Streich je nach Laune irgendwo zwischen dem Neun- und Zehn-Punkte-Bereich umher. Da
ich mich aber auf keinen der beiden festlegen kann, entscheide ich mich für die goldene Mitte. Bei "Kénôse" kommt es,
wie bei kaum einer anderen Veröffentlichung, komplett auf die Stimmung an. Und genau jener Faktor macht das Werk so
unberechenbar und unglaublich langlebig. |
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:: English version ::
Deathspell Omega would easily win the annual "the most crazy release of the year" award - if there was one. At the
point were others keep on stealing to sell their "own" work, the ruinously frenchmen Deathspell Omega are always in
the search of new boundaries, implement more and more insane and original ideas in their songs and never show that
the material either comes from somewhere else or demands something great from the band. But what facinates me more
is that after the monumental "Si Monvmentvm Reqvires, Circvmspice..." another, even more bloodcurdling release
arrives - not even a single year later by the same formation.
The musical dimensions on "Kénôse" are simply pure insanity. Atmospheric, highest demands almost driving higher,
anxious, even behind everything what once was - that what comes to my mind thinking about these three tracks. In
the first act unholy acoustic parts meet even more malign samples, all in a sudden interrupted by the onwarding
inferno as ecstatic you feel like pressed in a paranoid parallel dimension. I have never listend to something
similar, something more insane and geniously staged passages which take you away from your daily task as intense...
actually dubious. But with the ending of chapter I the shady amusement doesn't stop: Indeed the blackmetal-roller
creeps forward but trumps its forerunner in cases of complexity and throws the listener in a deep black hole of
mental condemnation. In comparison the third chapter comes like a somniferous, nordic influenced journey into
uncertainty. As soon as the horrific runs fade some deadly riffs enter to definitely conquer the throne of
avantgardism. The only thing which affects me in a negative way is the drummer, he doesn't seem to be eccentricly
interested in the whole thing and so he placid plays his patterns. Insane cymbal maltreats and exorbitant tempest
or snare-terror remains missing. Of course he sometimes speeds up and preys the set - to satisfy the general view
he should embed some more extreme freestyle parts, that would be the icing on the cake. One can wish for a lot but
the fewest dreams come true.
Thus Deathspell Omega's current coup remains anywhere between nine and ten points - depending on the mood. As I
cannot define any of these to be sure, I chose the golden middle. "Kénôse" depends, like only a few records,
completely on the listeners mood. Exactly this coefficient makes this opus unpredictable and tremendously
persistent.
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