|
Ja, da kommen nostalgische Gefühle in mir hoch.
Wir haben 1998, ein 15jähriger Langhaardackel hat mal wieder ein wenig Geld zusammengespart und steht nun vor
den zwei riesigen Regalen eines kleinen Metalladens in der Leipziger Innenstadt. Geifernd wühlt er sich durch
das Angebot, einmal, zweimal, dreimal und immer so weiter. Verdammt, soviel Auswahl und doch nur 30 Mark, was
kaufe ich mir denn da? Die Genreklassiker hatte man sich allmählich alle zugelegt und nun wäre es mal Zeit für
etwas Neues, etwas Frisches. Und was könnte man als junger Mann wohl besseres wählen als eine CD, auf der 'ne
halbnackte Blondine mit Ketten drauf ist und auf der die Musik keine Schmonzetten nagellackierter Engländer,
sondern Highspeed Black Metal darstellt?
Und so kam ich dann daheim an, löschte die Lichter und legte den Silberling ein. Den Lautestärkeregler auf
Anschlag gestellt saß ich da und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Und sie kamen im wahrsten Sinne des
Wortes, denn ich wurde weggeblasen von einer musikalischen Welle aus Urin, Sperma und anderen Körperflüssigkeiten.
Ich hockte geifernd und sabbernd vor der Anlage, winselte um Gnade und konnte doch nicht genug bekommen. So
bohrte sich das unmenschliche Drumming in mein Herz, ich wurde zersägt von den mörderischen Gitarren und der
Northwind am Mikro riss mir mit seinem perversen Gesang die Trommelfelle aus den Ohren. Ja, das war es, was ich
brauchte, das ist die Offenbarung, das ist Satanic SadoMaso Hyperspeed Metal. Einfach unmenschlich, was die
Herren hier auf musikalischer Ebene abliefern.
Das erwähnte Drumming ist wirklich über jeden Zweifel erhabenen und der Herr Lightning Bolt kann nicht nur
geschwindigkeitstechnisch glänzen, sondern auch durch seine Spielfertigkeiten an sich. Ihr wollt Beispiele?
Bitte sehr, hört euch einfach nur "Endeavour To Pace" an, denn mit rasenden Attacken, sekundengenauen Breaks
und wunderbaren Midtempoabschnitten zieht er hier alle Register. Ebenso fantastisch ist auch "Status Stürmer",
welches mein kleiner Liebling auf dieser Platte ist, spiegelt er doch alle Trademarks der Band wieder. Es geht
los mit einem gemäßigteren Teil, bei dem Gitarren ein gar herrlich hypnotisches Riff hervorzaubern, nur um den
Hörer dann alsbald ins totale Chaos aus Highspeed, klirrenden Gitarren und dem widerwärtigen Gesang zu stürzen.
Und dennoch fühle ich mich beinahe schlecht, wenn ich diese beiden Lieder hervorhebe, denn eigentlich haben
alle Lieder eine Bemerkung verdient, da sie allesamt auf dem selben hohen Niveau sind.
Und so finde ich mich nun 7 Jahre später in meiner Wohnung wieder. Erneut sabbernd, erneut auf dem Boden,
schreiend und mich windend und immer noch lodert in mir die Faszination für dieses Album. Ich kann euch allen,
die dieses Meisterwerk noch nicht haben, nur empfehlen, irgendwie reinzulauschen. Und wenn ihr euch mal wieder
angepisst fühlt, dann lasst euch von Tsatthoggua mit "Golden Shower" zeigen, wie sowas richtig geht. Von
Kaputten für Kaputte! |
|